
Judith Hübner (Q 12) gehört zu den Preisträgern im Landeswettbewerb Alte Sprachen 2010/2012. Für ihre hervorragenden Leistungen im Fach Latein wurde sie in einem persönlichen Schreiben von Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle beglückwünscht; außerdem wird sie in die Studienstiftung des deutschen Volkes aufgenommen.
In der ersten Runde hatten über 500 Teilnehmer aus ganz Bayern im Oktober 2010 bei einer anspruchsvollen Übersetzung mit kniffeligen Zusatzaufgaben ihr Können gezeigt. Zu den fünfzig besten Teilnehmern gehörten zwei Schülerinnen des Wittelsbacher-Gymnasiums: neben der späteren Siegerin zeigte auch Christina Schnabl, Q 12, hier eine exzellente Leistung.
Anschließend galt es in der zweiten Runde, eine Hausarbeit zu einem vorgegeben Thema zu verfassen. In ihrer Arbeit „Quisquis erit vitae scribam color – Vergil, Horaz und Properz im Maecenaskreis“ entwarf Judith Hübner ein fiktives Gespräch unter Dichtern der augusteischen Zeit im Hause des Kunstförderers und Augustus-Vertrauten Maecenas, wobei sie sowohl die lateinischen Originaltexte der genannten Dichter als auch die fachwissenschaftliche Literatur sorgfältig auswertete. Insbesondere zeigte sie dabei, wie sich die Dichter in dieser Umbruchszeit zu Beginn des Prinzipats in einem Spannungsfeld zwischen Kunst und Macht befanden und wie sie dabei ihren je eigenen Weg gingen.
Damit konnte sie die Jury so sehr überzeugen, dass sie zum Kolloquium ins Kultusministerium eingeladen wurde, wo sie sich in der Endrunde als eine von vier Landessieger(inne)n durchsetzte. Herzlichen Glückwunsch zu diesem verdienten Erfolg!
 - "Griechische Bronzestatue 2. Jhdt." (Glyptothek München, von de)
Für die Menschen der Kaiserzeit war das Marsfeld der Inbegriff der Freizeitgestaltung. Der Dichter Martial zählt den "campus" zu den unverzichtbaren Annehmlichkeiten (Epigramm 5, 20). Hier konnte man den verschiedensten Sportarten nachgehen: Laufen, Weit- und Hochsprung, Speer- und Diskuswerfen; gymnastische Übungen waren möglich, aber auch Fechten, Ringen, Boxen und Reiten. Im angrenzenden Tiber konnte man schwimmen. Für Ballspiele verwendete man aufgeblasene Schweinsblasen. Und die Kinder trieben um die Wette ihre Reifen oder Kugeln vorwärts und veranstalteten "Reiterkämpfe", indem sie ihre Kameraden huckepack auf dem Rücken trugen.
 - "Phantasiepotrait Ovids (1632)"
Allerdings waren es wohl ausschließlich Männer, die sich am Marsfeld sportlich betätigten. In seiner "Liebeskunst" bedauert Ovid, dass man auf dem Marsfeld keine Frauen kennenlernen könne (- bei der von ihm erwähnten "Aqua Virgo" handelt es sich um einen Aquädukt, dessen frisches Wasser für Kühlung sorgte):
"Nec vos Campus habet nec vos gelidissima Virgo
nec Tuscus placida devehit amnis aqua."
"Euch Frauen findet man weder am Marsfeld noch an der eiskalten Virgo;
und auch der etruskische Tiber trägt euch nicht mit sanfter Strömung fort." (Ars amatoria III 385 f.)
 - "As des Agrippa, von Tiberius geprägt" (von Heinz-Joachim Krenzer)
Wer Lust hatte, konnte eine der vielen Badeanstalten auf dem Marsfeld aufsuchen. Kleinere, von Privatleuten geführte Bäder ("balnea") wurden durch zwei große öffentliche Bäder ergänzt:
Die Agrippathermen waren die ältesten Thermen in Rom. Sie wurden von der "Aqua Virgo" gespeist; hier gab es ein riesiges Schwimmbecken im Freien.
(Siegfried Braun)
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 - "Logo des IV rione (Stadteils) Campo Marzio in Rom" (von MRB)
Als das Wittelsbacher Gymnasium vor fast 100 Jahren eröffnet wurde, berichteten die Münchner Zeitungen von der neuen Schule "draußen am Marsfeld". Nicht ohne Grund hatte man dieses Gelände im Nordwesten der Stadt nach dem Kriegsgott Mars benannt: Hier hatte das kgl. bayerische Kadetten-Korps seine Kaserne und der Marsplatz war ein Exerzierplatz.
Unser Gymnasium führt heute noch die Anschrift "Marsplatz 1". Die Straßen ringsum tragen die Namen von Feldherrn wie Tilly oder Wrede, auch wenn ansonsten nichts mehr an das frühere Militär erinnert. Der Marsplatz wird heute von der Marsstraße zerteilt.
 - "Fontana dei Quattro Fiumi auf der Piazza Navona (auf dem Gelände des früheren Campus Martius)" (von MRB)
Ein Marsfeld gab es auch im antiken Rom. Für die Römer war Mars in erster Linie der Vater ihrer Stadtgründer Romulus und Remus und damit der machtvolle Stammvater Roms. Das Marsfeld lag am Tiberbogen im Nordwesten der Stadt. Wer heute das Pantheon oder die Piazza Navona (das ehemalige Stadion des Domitian) in Rom besucht, befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen "Campus Martius".
Zur Zeit der römischen Republik fanden auf dem Campus Martius die Abstimmungen der Volksversammlung statt. Die Bürger jeder Wählergruppe ("Zenturien" oder "Tribus") versammelten sich innerhalb von Abgrenzungen ("saepta") und begaben sich dann einzeln zu der Wahlurne ("cista"), wo sie ihre Stimmtäfelchen einwarfen. An diese "Saepta" schloss sich im Süden eine riesige Halle an. Hier waren bei Wahlen etwa 900 Helfer mit dem Auszählen der Stimmen beschäftigt, wie der ältere Plinius in seiner "naturalis historia" ( 33,3) berichtet.
Kaiser Tiberius, der Nachfolger des Augustus, übertrug die Wahl der Magistrate von der Volksversammlung auf den Senat. Die Saepta wurden überflüssig. In den Säulenhallen, die den Platz umgaben, ließen sich Geschäfte nieder: Es entstand ein vornehmes Einkaufsviertel.
Die Nerothermen boten Ende des 1. Jahrhunderts n.Chr. den größten Komfort. Doch auf den könne er auch verzichten, meint der Dichter Martial in einem seiner Epigramme (II 48), falls man ihm seine ganz persönlichen Wünsche erfülle:
Coponem laniumque balneumque
tonsorem tabulamque calculosque
et paucos, sed ut eligam, libellos,
unum non nimium rudem sodalem (...):
Haec praesta mihi, Rufe, vel Butuntis,
et thermas tibi habe Neronianas!
Eine Kneipe, einen Metzger und ein kleines Bad,
einen Friseur, ein Spielbrett und Spielsteine,
auch ein paar Bücher - aber so, dass ich sie mir aussuchen kann,
einen einzigen Freund - er sollte aber nicht allzu ungebildet sein (...):
Das stell´ mir zur Verfügung, Rufus, und sei´s auch weit weg von Rom,
- dann pfeif´ ich auf deine Nerothermen!
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