Wittelsbacher Gymnasium München

Wittelsbacher–Gymnasium München

Sprachliches, Humanistisches Gymnasium München

 
Wittelsbacher
Gymnasium
Marsplatz 1
80335 München
Tel. 089/54504380
Fax 089/545043840
Gymnasium München Email
 Home   Sprechstunden   Termine   Sitemap 
Gymnasium München

Max Beckmann "Exil in Amerika"

(in der Pinakothek der Moderne München

vom 13.9.2007 bis 6.1.2008)

 

Die Sommerpause ist vorbei und der Wahlkurs Museum wieder vor Ort, um die geneigte Schülerschaft über die Ausstellungen, die man gesehen haben muss oder nicht, höchst subjektiv zu informieren.

Wer im Sommer in Münster und Kassel und Venedig war oder auch nur "oder", der freute sich darauf, endlich wieder "was Gescheites" zu sehen – und so etwas ist diese Beckmann-Ausstellung in erster Linie des malerischen Spätwerks – denn das verbirgt sich hinter dem "Exil in Amsterdam" – auf jeden Fall. Dieser Auffassung, dass gerade das späte Werk Beckmann bemerkenswert sei, war schon der amerikanische Kunstpapst Clement Greenberg. Er schrieb 1948:

Die Aufgabe der Kritik...

"Die Aufgabe der Kritik ist es nun zu erklären...warum selbst der deutsche Expressionist Max Beckmann, dessen Talent doch weit hinter dem Picassos zurücksteht, heute dennoch besser malt als jener" ("Der Niedergang des Kubismus"). Noch 1930 hatte sein deutscher Vordenker Carl Einstein in der "Propyläen Kunstgeschichte" Beckmann mit folgender Einschätzung gelobt: "Dem Motiv gegenüber will der Maler durch Deformation seine Überlegenheit bewahren. Er verteidigt sich gegen die Umwelt durch schnittige Grausamkeit am Motiv. Norddeutsche Malerei, man rechnet mit der bedrohenden Realität der Menschen und der Dinge, doch man versucht, sie zu züchten. In gleichem Sturm verteidigt man sich und steigert die Eindrücke pathetisch. In diesen Bildern steckt zweifellos ein bitterernster Versuch, den Konflikt von vorgefasster Anschauung und Motiv nicht zu meiden, sondern zu fast tragischer Auseinandersetzung zu vertiefen." Und er schließt: "Doch am großen Unternehmen enthüllt sich tragisch der noch unentschiedene Kampf eines Menschen, dessen Geistigkeit vielleicht bedeutender ist als das mühevoll gemalte Ergebnis." (S.184)

"Pinakothek der Moderne" (by Óscar Palmer , Quelle: flickr, Bildverzeichnis siehe unten!)

Die schüchterne Frage

Wir waren jedenfalls gespannt! Nach einiger Zeit kam die schüchterne Frage "Ist dieser Kerl vielleicht selbstverliebt ?" Sie ist insofern exemplarisch, weil die erste Begegnung mit Beckmanns "Welttheater" die Bildinhalte betrifft – trotz aller malerischer Verve gerade der späten Malerei, die Carl Einstein noch nicht kannte und auch nie sah, da er sich 1943 auf der Flucht vor den Nazis in den Pyrenäen wie auch Walter Benjamin umbrachte. Und in diesem Welttheater spielt nur einer die Hauptrolle: Der Meister himself. In der Tat befremdet heute dieser offen zur Schau getragene Machismo und deckt Vieles zu, das nicht so brachial zur Schau gestellt wird. Die Frauen sind jung, mondän, schön und keine trägt den Busen bedeckt, selbst wenn sie angezogen ist. Gern wird sie auch gefoltert. Einstein hat schon recht. Ein Bildsinn wird oft angedeutet durch bekanntere Symbolik oder Zitate, aber ein Zusammenhang zwischen den einzelnen Topoi ergibt sich außerhalb eines Beckmann´schen Kosmos nicht: Immer ist es der Künstler selbst, der solcherart den Sinn im Chaos verkörpert und damit zum gottgleichen Schöpfer aufschwingt. Dem dürfte das Exil wahrlich nicht geschmeckt haben. Aber den farbig so prächtigen Bildern sieht man das nicht an!

Die Farben! Da waren wir uns gar nicht einig. Zu bunt! Zu voll! Die Selbstportraits besonders sind diesbezüglich viel zurückhaltender - da spürt man dann auch Menschliches. Dass die Buntheit die anklagende Kraft oder Verstörung der Motive konterkariert – darin waren wir uns einig. Und die Formen erst: Alles verstörend verzerrt, unproportioniert, verzeichnet. Auch hier: Wird es zu sehr Klein-Klein, dann verlieren die Bilder ihre Wirkung, die jene Motive ausstrahlen, die barock eng in die Rahmen gepresst sind, kaum den Blick auf einen Hintergrund frei geben. Bühnenartig sind die Räume, passend zu den Motiven von Theater und Zirkus, die häufig sind - ohne je den Zirkus zu meinen; Sinnbilder sind es für das Leben, das schreckliche besonders, in dem der Titan Beckmann seinen MANN steht.

Beckmann, der deutsche Kontrahent von Picasso - der selbst Beckmann gar nicht zur Kenntnis nahm? Doch, ja. Irgendwie ähneln sich die als Machos. Aber "Folgen" fielen uns für Beckmann weniger ein als für Picasso; vielleicht Bacon? Ist uns Beckmann heute wichtig? Uns 16-18jährigen ?

Abschließend

Dazu abschließend vier spontane Statements der vier Autoren nach dem Ausstellungsbesuch: Phillip (LK12): "Zu bunt"; Carmen(11a): " Passt scho"; Lene(11a): " Mich stört, dass er "TIMS" schreibt statt "TIMES"; Ferdinand(LK12): "Mir gefällt´s ganz gut - das kommt selten vor". Mein Tipp: Schauen Sie sich auf jeden Fall die Hauttöne an!

 

Christoph Hessel


Impressum     Bildverzeichnis         © 2006 Wittelsbacher–Gymnasium–München