Zur Gerhard Richter Ausstellung im Palais Preysing der Hypo-Vereinsbank
läuft noch, sonst leider keine Angaben, Di. - Fr., sicher von 14.00-17.00 Uhr
Beim Palais Preysing handelt es sich um die Geschäftsräume des Vorstands besagter Bank und nicht um die Hypo - Kunsthalle in den Fünf Höfen. Ins Innere gelangt man nur über einen unscheinbaren Nebeneingang und nicht über das geschlossene Portal, was Besuchswillige arg verunsichert. Wer hier die immerhin seit 1989 in unregelmäßigen Abständen veranstalteten Ausstellungen zu verantworten hat, ist nicht bekannt. Es wäre insofern interessant, als wir gerne in Kontakt kämen mit der Person, die uns zum Untertitel unserer Ausstellungsbesprechung veranlasst hat.
Die Ausstellung ist nach Auskunft der freundlichen Dame an der Pforte, die man passieren muss, so gut besucht, dass die Öffnungszeiten ausgedehnt wurden. Wie schön! Sie war in der Presse zwar nur kurz und kritisch besprochen, aber durch die Bank selbst mit der Kundenpost gut beworben worden. Die dort angekündigte Übersichtsshow über das Wirken von Richter von frühen Arbeiten bis heute ist branchenüblich schlicht übertrieben. Das älteste Ölbild stammt von 1983, die meisten aus den späten 80iger und frühen neunziger Jahren, keine Spur von "Übersicht". Ein Raum ist gefüllt mit Offsetdrucken, in den übrigen dominieren die kleinen Formate und hier die Aquarelle. Es gibt einen großen, typischen, abstrakten Richter und einen mittelformatigen. Das ist auch das beste. Ansonsten ist die Qualität Durchschnitt. Für eine Bank dieser Größe kein Grund, die Büros zu räumen und so zu tun, als habe man schon immer auf Richter gesetzt. Das ist alles nicht so schlimm.
Wie die Bilder präsentiert werden aber schon.
Der 1. Grund, die Bank zu wechseln:
Obwohl es sich zum großen Teil um empfindliche Papierarbeiten handelt, sind die Arbeiten voll dem Tageslicht und einer ungedimmten Luxzahl ausgesetzt. Da wird die Farbenpracht nicht lange halten – erste Ausbleicherfolge sind schon zu vermerken, da in der Hängung in den Büros darauf sicher auch nicht geachtet werden konnte. Das ist jedermanns Freiheit. Aber sollte meine Hausbank öffentlich demonstrieren, dass sie so mit von ihr erworbenen Werten umgeht ?
Der 2. Grund, die Bank zu wechseln:
Die ausgestellten 25 Arbeiten sind in 22 verschiedenen Rahmen gerahmt über deren Qualität und Angemessenheit man streiten kann. Von einer halbwegs einheitlichen Hängung keine Spur – das macht jeder Volkshochschulkurs in der Stadtbibliothek heute professioneller. Sollte meine Hausbank so wenig Gespür dafür haben, dass mit einer solchen Präsentation nur die Lieblosigkeit Kunst gegenüber präsentiert wird ? Soll ich das nicht auf den Umgang mit mir als Kunden übertragen?
Der 3. Grund, die Bank zu wechseln:
In diesen oft auch in den Proportionen ungeeigneten Rahmen, die zwar blattsilbrig gehobenen Geschmack demonstrieren, sind zum Teil die Plexiglasscheiben grob zerkratzt, sie sind nicht geputzt, in einem ist sogar das Aquarell aus dem Passepartout gefallen. Man möchte meinen, hier finde eine Demonstration der Geringschätzung zeitgenössischer Kunst statt. Soll ich mich in einer Bank aufgehoben fühlen, die eine derartige Arroganz und Impertinenz an den Tag legt? Wie wird sie da erst mit mir umspringen?
Der 4. Grund, die Bank zu wechseln:
Einige Arbeiten selbst sind verschissen. Ja, Sie haben recht gelesen: verschissen. Zwar nur von Kleinvieh, Fliegen, aber schließlich handelt es sich um hochbezahlte Ware Kunst. Gehört selbige nicht auch zu den Sicherheiten, die man etwa bei Kreditvergaben einfordert? Wer gibt mir die Sicherheit, dass diese Bank nicht selbst auf meine Finanzierungs- oder Alterssicherungsbedürfnisse scheißt?
Der 5. Grund, die Bank zu wechseln:
Kann das alles Absicht sein? Ich fürchte : Nein. Es hat wohl keiner gemerkt, keiner hat hingeschaut, man hält das für egal – es ist ja auch "bloß" ein Wandschmuck. Eigentlich keines Blickes wert. Wieso stellt meine Hausbank das dann öffentlich aus und bewirbt den Besuch gerade bei ihrer Kundschaft? Eine Hausbank mit einer solchen Kultur, mit einer solchen einfach nur dummdreisten Haltung ihren Bildern gegenüber, ja was will die eigentlich von ihren Kunden?
Fazit: Das muss man gesehen haben!
Christoph Hessel für die Ausstellungsgruppe des WBG