Die "Madonna mit der Nelke" ist das einzige Gemälde Leonardo da Vincis in einem deutschen Museum. Erst kürzlich wurde es zusammen mit den Werken wichtiger Zeitgenossen des großen Künstlers der Renaissance in der Alten Pinakothek gezeigt. (Die Ausstellung war vom 15.09.2006 bis zum 3.12.2006 zu besichtigen)
Da ich eigentlich eine große Einzelausstellung mit den bedeutendsten (meist unvollendeten) Gemälden Leonardo da Vincis erwartet hatte, war ich zunächst über den relativ kleinen Rahmen der Ausstellung enttäuscht. Diese anfängliche Enttäuschung legte sich jedoch schnell, denn weniger ist bekanntlich manchmal mehr…..
„Die Madonna mit der Nelke“ wurde über einen Zeitraum von 2 Jahren intensiv kunsttechnologisch untersucht und die Ergebnisse, die da Vincis experimentierfreudige Maltechnik deutlich belegen, konnten in der Ausstellung präsentiert werden. Interessant ist, dass Leonardo schon damals auf die relativ neu erfundene und daher noch nicht sonderlich ausgereifte Ölfarbe setzte, während viele seiner Zeitgenossen noch Temperafarben verwandten. Beeindruckend ist auch wie sicher er mit den Gesetzmäßigkeiten der Perspektive umgehen konnte und wie er Licht und Schatten setzte. Dass das Christuskind, das die Madonna dem Betrachter präsentiert, einen etwas deformierten Eindruck erweckt und mit seinen „übergroßen Rettungsringen“ eher an ein Schlauchboot, als an den jungen Erlöser erinnert, kann natürlich Leonardos erwiesenes künstlerisches Talent in keiner Weise herabsetzen. Ein Phänomen, das übrigens auch bei seinen Zeitgenossen auftritt. Gezeigt wurden auch Madonnenbilder von Fra Filippo Lippi, Andrea del Verrocchino, in dessen Werkstatt Leonardo zunächst tätig war, Pietro Perugino und Lorenzo di Credi sowie Fra Bartolommeo. Auffällig ist, dass sich die Gesichter der Madonnen sehr ähnlich sind, was vor allem daran liegt, dass die Künstler damals nicht nach Modell arbeiteten, sondern sich an schematisierte Vorzeichnungen hielten. Mehrere Zeichnungen Leonardo da Vincis rundeten die Ausstellung ab.
Ferdinand Schachinger, Oberstufe
Die Museumsgruppe dankt Herrn Hessel für die wie immer professionelle Führung.