(Pinakothek der Moderne,noch bis 29.10.06; dann wieder ab 19.1.07 allerdings nur im Rahmen einer Studienfahrt nach Wien)
Wir starteten in die neue Saison mit der Ausstellung "Georg Baselitz - Remix":
"Der muss aber gute Kontakte haben!" war die erste Reaktion eines Schülers. In der Tat. Noch nie wurde in der PdM für einen einzelnen Künstler ein großer Teil der ständigen Sammlung ausgelagert. Im Fall "Baselitz" ist es insofern begründet, da die gesamte Serie "Remix" Platz finden musste, um deren Erstpräsentation sich viele Museen beworben hatten. Dass gerade München das Rennen machte, liegt wohl darin begründet, das hier eine gute Sammlung von Gemälden und Skulpturen des Künstlers angesammelt wurde, die zudem auch nicht in den Depots lagern, sondern ständig gezeigt werden. Auch istb baselitz gerade dabei seinen Lebensmittelpunkt von Derneburg an den Ammersee zu verlagern- er wird also Wahlbayer. Sein Sohn Daniel Blau führt hier zudem eine der wichtigsten Kunstgalerien der Stadt, zur Zeit noch am Odeonsplatz.
Zu Baselitz Bildern gilt es zunächst einmal viele Vorurteile auszuräumen, die damit zusammenhängen, dass er "alles auf dem Kopf malt". Was nicht stimmt. Die Rede ist auch von "bloße Masche", "Verarschung", "Gelddruckmaschine". Man kennt ihn also. Immerhin. Der Hinweis, dass der schon recht betagte Künstler – er ist 68 Jahre alt, für Schüler also jenseits aller Zeitrechnung – mit der gezeigten Serie eine Art Schlussstrich unter sein bisheriges Lebenswerk zieht und auch persönlich einen Neuanfang wagt zu einem Zeitpunkt, da andere sich auf den Früchten ihres Berufslebens auszuruhen beginnen ( er verkauft alles, was er gesammelt und angeschafft hat, er wechselt den Wohnort, das Atelier – auf Nachfrage konnte ich versichern, dass die Ehefrau dieselbe bleibt ) imponiert Schülern dann schon, die etwas Ähnliches vielleicht auch in ihrer nahen Zukunft zu bewerkstelligen haben werden. Zumindest soweit, dass sie erst mal geneigt sind, genauer hinzusehen.
Am besten tut man das im großen Saal, in dem normalerweise die Wechselausstellungen gezeigt werden. Man bemerkt schnell, dass alle Bilder hier dasselbe Format haben, viele ein gemaltes weißes Passepartout – wie in einem Katalog! "Remix" ist also das Neumalen schon existierender Bilder, wohl tatsächlich "nach Katalog" von Baselitz gemacht. Das müsste man ihn aber fragen! Die Bilder sind groß und hell und stark farbig. Ihr Duktus ist nervös und zeichnerisch – wahrscheinlich war die Fixierung der Form mit schnellem flüssigen Strich der Anfang einer jeden Arbeit. Ein direkterer Vergleich mit den Vorbildern wurde von den Schülern angemahnt – wir fanden den umgezogenen Baselitzsaal leider nicht! Aber es gibt ihn – um die Rotunde rum, genau gegenüber. Die "alten" unter die neuen Bilder zu mischen verbat sich, weil - auch das hatten die Schüler schnell kapiert - "Remix" vor allem auch als Serie funktioniert. Am schönsten allerdings in der grandiosen Folge von Zeichnungen!
Zu einzelnen Gemälden: Der "Adler" sammelte die meisten Beliebtheitspunkte; "die große Nacht im Eimer" interessierte auch politisch wegen des Hitlerportraits und gab Anlass einiges über die Situation in Berlin kurz vor dem Mauerbau zu erzählen. Die "Helden" interessierten erstaunlicherweise weniger - da hat man heute eine andere Vorstellung und die klassisch-antike ist gerade wieder sehr in Mode, da sind so ärmlich romantische Helden nicht konkurrenzfähig. Schließlich entdeckten wir an der tropfenden Farbe auch, dass die Bilder nicht einfach nur umgedreht, sondern bereits auf dem Kopf stehend gemalt werden! Glaubt einem ja keiner!
Schließlich sind alle überzeugt, spannende zwei Stunden verbracht zu haben - ja, so lange waren wir in der Ausstellung. Dass es darin auch bessere, schönere und schreckliche Bilder gibt - Nebensache! Aber das der alles auf dem Kopf malen muss!!
Christoph Hessel