(Haus der Kunst, bis 14. Januar 07)
Viel Durcheinander davor an diesem Tag! Die Auktion der Freunde, ein Aufbau einer Performance im Mittelsaal und direkt daneben auch noch der der Kaprow-Ausstellung brachte enorm Unruhe in die Köpfe und die Augen. So etwas bekommt "Schwarzen Bildern" überhaupt nicht gut.
Noch weniger, dass der Troost-Bau alles andere als ein "white cube" ist, den diese Bilder als Raum dringend benötigen, um sich entfalten zu können. Selten wirkten die Solnhofener Platten dermaßen deplatziert! Das scheinen sich auch die Kuratoren gedacht zu haben, denn sie ließen von den Architekten eigens Bürgersteige vor die Bilder zimmern, die weiß gestrichen einen gewissen Abstand zu diesem Lieblingsfussbodenbelag der Nationalsozialisten schaffen. Allerdings um den Preis einer gewissen Lächerlichkeit des Gesamteindrucks. Und trotzdem: Schon der Riss in der Tapete neben einem Ad Reinhard sieht aus wie eine unbotmäßige Verstümmelung der Wand, lenkt ab, zieht den Blick magisch weg von dem schwarzen Bild. Man begreift, warum Rothko so empfindlich war, was die Präsentation seiner Bilder anbelangte. Hier wäre er sicher Sturm gelaufen! An den Bildern liegt das nicht. Da lassen sich viele Entdeckungen machen. Dass die Reinhards ein Raster verschiedener Farben beinhalten, das man erst nach einiger Zeit wahrnimmt, dass die subjektive Farbwahrnehmung bei Rothko zu ganz unterschiedlichen Klassifikationen von Farbe führt ( "Das ist doch Grün!" Aber nein, blauer geht’s ja gar nicht"! ) war sehr spannend. Auch die Banalität der Streifenbildungen bei Stella hielt uns länger gefangen und die Tatsache, das er schwarze Streifen malte und nicht etwa weiße Linien auf Schwarz. Rauschenbergs strukturierte Oberflächen, mit Lack auf Zeitungsfetzen wirken angesichts des Kontemplation heischenden Pathos der schwarzen Großformate durchaus frech - "vorpoppig" sozusagen.
Fazit: Diese schönen Bilder haben es nicht verdient so schlampig präsentiert zu werden. Aber trotzdem toll, dass man sie in dieser Zusammenstellung einmal zu sehen bekommt! Unbedingt anschauen!
Christoph Hessel