 - "Korinthische Bronzestatuette des Zeus von 530/20 v.Chr." (Glyptothek München, Saal I., von W.G.)
Mythologie
Die Götter der Griechen sind seltsame Gestalten. Nehmen wir z.B. Zeus. Bei seiner Geburt wäre er fast von seinem Vater Kronos gefressen worden - hätte ihn seine Mutter Rhea nicht rechtzeitig gegen einen in Windeln gewickelten Stein ausgetauscht. Jahre später bestraft Zeus seinen Vater, indem er ihn in den Tartaros wirft und nun selbst die Herrschaft im Olymp übernimmt. Verheiratet ist er mit Hera, der Beschützerin der Ehe. Oft betrügt Zeus seine Frau mit anderen Göttinnen und wird so zum "Vater der Götter und Menschen", wie sein Titel beim Dichter Homer lautet.
Zeus war kein Vorbild für die Menschen. Schon bald kritisierte der Philosoph Xenophanes: "Alles haben Homer und Hesiod den Göttern angehängt, was bei den Menschen als Schimpf und Schande gilt: stehlen, ehebrechen und einander betrügen". Und Heraklit würde Homer am liebsten bestrafen: "Homer hat es verdient, aus den Wettkämpfe ausgeschlossen zu werden und Schläge zu erhalten."
Unter dem Einfluss der Philosophen wandelt sich mit der Zeit die Vorstellung, die die Griechen von ihren Göttern hatten. Die alten Geschichten behielten dennoch ihre Anziehungskraft und inspirierten Künstler bis in unsere Zeit.
 - "Homer. Antike Kopie nach einer Statue des Dichters aus dem Jahrzehnt 460/450 v.Chr." (Glyptothek München, Saal I., von W.G.)
Als Odysseus Polyphem und Kalypso glücklich entronnen ist, steht er in Ithaka vor dem schwierigsten seiner Abenteuer. Wie soll er ohne fremde Hilfe gegen die Übermacht junger Adeliger, die sein Haus besetzt halten, den Thron zurückerobern und das Vertrauen der Penelope zurückgewinnen?
Der Listige besteht auch diese letzte Probe, wie uns Homer in der "Odyssee" erzählt.
Die Odyssee ist nicht nur spannend, sie ist auch gut geschrieben. Viele der Erzähltechniken, die Homer anwendet, verwenden auch seine späten Nachfahren, die Romanautoren der Gegenwart.
Ist der sprichwörtlich reiche und mächtige Lyderkönig Kroisos wirklich der Glücklichste, wie er selbst glaubt? Der weitgereiste athenische Politiker Solon hat da seine Zweifel, wie wir bei Herodot lesen, dem Erfinder der Geschichtsschreibung.
 - Pfütze (W.G.)
Die Anfänge der Naturwissenschaften werden bei den Griechen gelegt. So fragt Thales von Milet, der erste Physiker, was eigentlich der Urstoff ist, der allem Sichtbaren zugrundeliegt, und er erkennt: es ist Wasser, H2O. Wie sonst könnte aus dem Nilschlamm Leben entstehen?
Auch Erdbeben kann Thales erklären: Die Erdscheibe schwimmt auf Wasser, und wenn die See rau wird, gerät das Erdenschiff ins Schlingern...
Das soll Physik sein? Das ist Physik, denn Thales verwendet für seine Erklärung von Naturerscheinungen genau die Vorgehensweise, auf die sich auch ein moderner Physiker stützt: er stellt Beobachtungen an und ordnet diese in eine nachprüfbare Theorie ein.
Poseidon, der mit seinem Dreizack die Erde zum Beben bringt, hat als "Erderschütterer" ausgedient. Nicht Überprüfbares kann nicht Teil einer wissenschaftlichen Theorie sein.
 - "Sokrates. Römische Kopie einer Büste des Lysipp (320 v.Chr.)" (Glyptothek München, Saal X., von W.G.)
Sokrates lenkt das "Erkenntnisstreben" (das ist die Übersetzung des Worts "Philosophie") auf den Menschen und die Frage, wie man leben soll. Unermüdlich nötigt er seine Gesprächspartner, Auskunft zu geben über die Art und Weise, wie sie bisher gelebt haben, denn er ist der Überzeugung: "Das ungeprüfte Leben ist nicht lebenswert".
Den Athenern geht der unbequeme Mahner so auf die Nerven, dass sie den Mann, der "der Gerechteste von allen" (Platon) war, mit 70 Jahren vor Gericht stellen. Nun muss Sokrates selbst seine Lebensweise rechtfertigen. Ob seine Überzeugungen auch heute noch tragfähig sind, das kannst Du bei der Lektüre der "Verteidigungsrede des Sokrates" überprüfen.
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Diskussion aktueller Fragen
Die Glücksformel - Wir prüfen die Antworten, die Solon und andere geben.
Soll man sich an Gesetze halten? Der Starke wird doch von ihnen nur behindert, sagt Kallikles. - Stimmt das?
Darf man Widerstand gegen den Staat leisten? Man muss es sogar manchmal, sagt Antigone. Keineswegs, sagt Kreon.
Hat ein Staat, nur weil er mächtiger ist, das Recht, einen anderen Staat angreifen? Ja, sagen die Athener, nein die Bewohner der Insel Melos.
Bedeutung für Schule, Universität und Beruf
Weil wir beim Übersetzen Griechisch und Deutsch vergleichen, lernst Du in beiden Sprachen viel dazu. Ein gutes Deutsch ist sicher mit entscheidend für Deine Leistungen, wenn Du Referate hältst oder Aufsätze schreibst.
Griechisch hilft Dir, Fremdwörter zu verstehen. Wörter wie Archäologie, Mikroskop , Mikrochip, Ökologie, Politik, Technik, Telefon sind für einen Griechen durchschaubar. Daher sind Griechischkenntnisse für alle Studienfächer nützlich, da sie das Verstehen der Fachwörter wesentlich erleichtern.
Altgriechisch ist eine sehr gute Basis für das Erlernen des Neugriechischen. 95 % des altgriechischen Wortschatzes lebt in der neugriechischen Sprache fort.
Die Griechen haben im 8. Jahrhundert v. Chr. das Alphabet (das mit Alpha und Beta beginnt) von den Phöniziern übernommen und an die eigenen Bedürfnisse angepasst; die so veränderte Schrift gaben sie wenig später an die Römer weiter. Die lateinischen Buchstaben sind also direkte Nachfahren der griechischen, was uns das Lernen deutlich erleichtert. Wir nehmen uns dafür etwa zwei Wochen Zeit. Übrigens sind dir einige der Buchstaben schon in der Mathematik begegnet.
Die griechische Sprache ähnelt in vielem der lateinischen. In beiden Sprachen sind es die Endungen, die einem Wort seine bestimmte Aufgabe im Satz zuweisen. Auch die satzwertigen Konstruktionen wie AcI und Partizip finden sich hier wie dort. Lateinkenntnisse sind also nicht schädlich, wenn man Griechisch lernen will, sie werden aber nicht vorausgesetzt. Die Erklärungen fangen bei Null an.
(W.G. für die Fachschaft Griechisch; die Reproduktion von Zeus, Homer und Sokrates erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Kurators der Glyptothek (Mail vom 26.11.2004))
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