Wittelsbacher Gymnasium München

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Sprachliches, Humanistisches Gymnasium München

 
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"Von der Liebe über Kreuz"

Zur Lesung des Bachmann-Preisträgers Thomas Lang am Wittelsbacher-Gymnasium

Die Schüler der 11. Klassen und der KS 12 versammelten sich am 30. März 2007 in der Bibliothek um einen außergewöhnlichen Schriftsteller aus seinem aktuellen Roman „Unter Paaren“ lesen zu hören: Thomas Lang.

Wahlverwandtschaften heute

Gemäß der Tradition von Goethes „Wahlverwandtschaften“ lässt Thomas Lang zwei Paare in einem aufwändig renovierten Haus am Waldrand zusammentreffen und ein Maiwochenende verbringen. Drei der vier Personen kennen einander von früher. Alte Spannungen treten wieder zutage und neue kommen, nicht zuletzt mit der kühlen, aber sehr anziehenden Spanierin Inita, hinzu. Die in der jüngeren Vergangenheit einigermaßen geradlinig verlaufenen Lebenslinien der Protagonisten überkreuzen und verweben sich im Laufe des Wochenendes auf eine alle Beteiligten verwirrende Art.

 

In seinem auf zwei Zeitebenen arrangierten Roman schafft Thomas Lang eine Art Laborsituation, er stattet seine Figuren mit dem Sprachgebrauch des Bescheidwissens aus und überantwortet sie einer umso größeren Unwissenheit, denn all ihre scheinbaren Gewissheiten im Hinblick auf  Beziehungen und Lebensziele oder auch Accessoires von Stilmöbeln bis hin zu Autos der Oberklasse, die das Leben verschönern sollen, erweisen sich als leere Worthülsen und hohle Statuen.

Aufmerksame Zuhörer

Mit leiser, aber eindringlicher Stimme liest Thomas Lang die ersten Kapitel seines Romans, die die Ankunft der Figuren am Schauplatz des Geschehens und das Entstehen der ersten Irritationen zum Thema haben. Die etwa 100 Schüler der Oberstufe, die auf den Tischen und am Boden der Bibliothek sitzen, hören trotz ihrer Osterferienreife mit viel respektvoller und interessierter Aufmerksamkeit zu.

Diskussion mit dem Autor

Im Anschluss an die etwa fünfundvierzigminütige Lesung ergeben sich zahlreiche Fragen an den Autor, die in einer weiteren Dreiviertelstunde beantwortet werden. Viele von ihnen beziehen sich eher auf das Werden und Walten eines Schriftstellers im allgemeinen als auf den vorliegenden Roman. Thomas Lang begegnet den Schülern mit Gesprächsfreude und Geduld. Den Weg von den zehn Jahre währenden Anfängen seines Schreibens bis zu ersten Erfolgen und schließlich dem Ingeborg-Bachmann-Preis skizziert er mit wenig Pathos und viel Offenheit. Von der Idee den Beruf des freien Autors zu ergreifen, rät er, der erfolgreiche Schriftsteller, vor allem aufgrund der damit verbundenen finanziellen Mühsal sogar ab.

 

Weitere Auffälligkeiten der Langschen Romane kommen zur Sprache, so etwa die Nähe mancher atmosphärisch dichter Szenen zum Film; die Möglichkeit einer Theaterfassung, die aufgrund des Handlungsreichtums und der nur seltenen Ortswechsel nahe läge; die Figurenarmut aller drei Romane, die immer sorgsam gewählte Miniaturabbildungen bestimmter gesellschaftlicher Gruppen zu sein scheinen; außerdem die Tatsache, dass alle Romane Langs keinen echten Sympathieträger enthalten. Auf ein emotionales Verhältnis zu seinen Figuren befragt, sagt Thomas Lang: „Ich möchte den Figuren im wirklichen Leben nicht begegnen. Als Romanfiguren mag ich sie jedoch.“

Gegenwartsautoren in die Schulen!

Die Lesung erwies sich trotz des nicht immer ganz einfachen Sujets als kurzweilig ebenso wie als Bereicherung des Literaturunterrichts, der naturgemäß großteils dem Kanon verpflichtet bleibt und dennoch nicht vergessen sollte, dass es lesenswerte Gegenwartsautoren gibt, die manchmal, wie im Falle Thomas Langs, sogar unweit unserer Schule leben und gerne vor Schülern lesen.

 

J. Bulla


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