Im Anschluss an die etwa fünfundvierzigminütige Lesung ergeben sich zahlreiche Fragen an den Autor, die in einer weiteren Dreiviertelstunde beantwortet werden. Viele von ihnen beziehen sich eher auf das Werden und Walten eines Schriftstellers im allgemeinen als auf den vorliegenden Roman. Thomas Lang begegnet den Schülern mit Gesprächsfreude und Geduld. Den Weg von den zehn Jahre währenden Anfängen seines Schreibens bis zu ersten Erfolgen und schließlich dem Ingeborg-Bachmann-Preis skizziert er mit wenig Pathos und viel Offenheit. Von der Idee den Beruf des freien Autors zu ergreifen, rät er, der erfolgreiche Schriftsteller, vor allem aufgrund der damit verbundenen finanziellen Mühsal sogar ab.
Weitere Auffälligkeiten der Langschen Romane kommen zur Sprache, so etwa die Nähe mancher atmosphärisch dichter Szenen zum Film; die Möglichkeit einer Theaterfassung, die aufgrund des Handlungsreichtums und der nur seltenen Ortswechsel nahe läge; die Figurenarmut aller drei Romane, die immer sorgsam gewählte Miniaturabbildungen bestimmter gesellschaftlicher Gruppen zu sein scheinen; außerdem die Tatsache, dass alle Romane Langs keinen echten Sympathieträger enthalten. Auf ein emotionales Verhältnis zu seinen Figuren befragt, sagt Thomas Lang: „Ich möchte den Figuren im wirklichen Leben nicht begegnen. Als Romanfiguren mag ich sie jedoch.“
Die Lesung erwies sich trotz des nicht immer ganz einfachen Sujets als kurzweilig ebenso wie als Bereicherung des Literaturunterrichts, der naturgemäß großteils dem Kanon verpflichtet bleibt und dennoch nicht vergessen sollte, dass es lesenswerte Gegenwartsautoren gibt, die manchmal, wie im Falle Thomas Langs, sogar unweit unserer Schule leben und gerne vor Schülern lesen.
J. Bulla