Wittelsbacher Gymnasium München

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Wie Till Eulenspiegel jemandem das Fliegen beibrachte

Einmal kam Till nach Hamburg, um seinen Onkel Hans Meiersiegerintz zu besuchen. Dieser erwartete ihn schon: "Hallo Till", sagte er, "komm rein in die gute Stube!" Beide saßen um einen Tisch und tranken Tee. "Wie geht es denn so in der Stadt?", fragte Till. "Schrecklich", meinte Hans, "unser König ist ein richtiger Geizkragen!" "Das wird sich ändern", entgegnete Till.

Nach dem guten Kamillentee und Kuchen machte sich Till auf den Weg zum König. "Was wollen Sie?", fragten die Wachen vor dem Schloss. "Ich möchte zum König." "Das geht nicht, König Richart von Fallenstätt duldet keinen Besuch." Also ging Till Eulenspiegel wieder.

 

Als er wieder beim Onkel war, kam ihm eine Idee. Sofort nahm er Feder, Tinte und Pergamentpapier und fing an zu schreiben:

"Liebe Hoheit, ich möchte Ihnen, wenn Sie gestatten, etwas sehr Nützliches beibringen. Ihnen, König Richart von Fallenstätt, werde ich mit Ihrer Erlaubnis das Fliegen beibringen. Mit freundlichen Grüßen

Till Eulenspiegel"

Den Brief steckte er in einen Umschlag und brachte ihn den Wächtern des Königs.

 

Als Richart von Fallenstätt den Brief las, ließ er sofort Till Eulenspiegel zu sich bringen. "Und Du willst mir wirklich das Fliegen beibringen?" "Ja natürlich, Hoheit, was ich sage, das meine ich auch. Es können auch die Bürger Ihrer schönen Stadt Hamburg zusehen, wie Sie Ihre ersten Versuche machen", sagte Till. "Nein, das geht nicht; wenn ich falle, dann lachen mich alle aus.", sagte der König. "Aber nein, ich sehe es Ihnen an, Sie sind ein begabter Flieger, Sie fliegen schon in meiner Vorstellung beim ersten Versuch.", antwortete Till. "Wirklich?", fragte der König. "Ja, wirklich. Kommen Sie einfach morgen um 15.00 Uhr auf den Marktplatz, und Sie, gnädige Hoheit, werden vor Ihren Untertanen fliegen. Aber da ist noch etwas", meinte Till, "ich verlange dafür 500 Gulden, natürlich nur, wenn Sie wirklich geflogen sind, sonst müssen Sie das Geld nicht zahlen." Der König war einverstanden. Nun ging Till. Er verkündigte der ganzen Stadt, dass ihr König morgen fliegen würde.

 

 

Am nächsten Tag versammelten sich viele Leute auf dem Marktplatz. Am Tag vorher hat Till eine lange Strecke mit Markierungshütchen (Pylonen) abgegrenzt. Nun kam der König, aber nicht so, wie die Leute ihn kannten, mit Gewand und Krone, nein er trug einen Trainingsanzug, einen ganz normalen Trainingsanzug.

Till sagte: "Lieber König, heute ist ein prächtiger Tag für Sie, Sie müssen einfach nur zwischen den Hütchen hin- und herlaufen, damit Sie schön Schwung bekommen. Ich sage Ihnen dann irgendwann Bescheid, wenn Sie genug Schwung haben."

Nun ging es los. Till stellte sich so auf die Laufbahn, dass der König immer nah an ihm vorbei lief. Richart von Fallenstätt lief und lief und rannte und hechelte. Bald rief Till: "Gleich, gleich ist es so weit, gleich werden Sie fliegen." Und der König rannte auf Till zu, er kam immer näher, jetzt war er gleich da. Till streckte sein Bein aus und der König fiel hin. "Bravo, bravo", rief Till, "jetzt sind Sie über mein Bein geflogen, es sah aber nicht sehr schön aus, das muss man noch üben." "Noch einmal? Auf keinen Fall, du Lump, scher dich weg!" "Aber erst möchte ich mein Geld, schließlich sind Sie ja geflogen." "Ich bin gefallen, nicht geflogen, verstanden!" "Naja, dann sind Sie eben von Ihnen aus gefallen, wie Ihr Name es schon sagt, das ändert aber immer noch nichts daran, dass man sagen kann, Sie sind auf die Nase geflogen." Das Volk stimmte Till zu: "Sie müssen zahlen, König, Sie müssen zahlen!" Und so blieb dem Richart von Fallenstätt nichts anderes übrig.

 

Der König ärgerte sich noch lange und Till war mit dem Geld schon in der nächsten Stadt für den nächsten Streich.


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